Ein paar Wochen, so cirka sechs bis acht Wochen, vor meinen 14. Geburtstag mussten wir nachmittags in die Schule. Es waren Beamte der Polizei da und hatten die Anträge für die Personalausweise angenommen. Dazu brauchten wir die Geburtsurkunde. Diese hatte ich mir von meinen Eltern vergessen geben zu lassen.Was nun? Meine Eltern waren beide auf Arbeit und ich musste doch dort hin? Aber wo die Unterlagen zu finden sind wusste ich, sollte da aber nicht alleine bei gehen. Dies hatte mich auch sonst nicht wirklich interessiert, da ja keiner da war musste ich es doch. Auf meiner Geburtsurkunde stand der Vermerk drauf, dass ich an Kindesstatt angenommen wurde. Hä, was soll denn das nun heißen? Und meine Eltern nicht da. Dann bin ich erst einmal zur Schule.Der Polizist schaute mich irgendwie auch blöd an. (kann mir damals das auch eingebildet haben) Als ich dann von der Schule kam war meine Mutter auch gerade von der Arbeit nach Hause gekommen. Habe dann „gebeichtet", dass ich an den Unterlagen war, weil ich ja die Geburtsurkunde brauchte. Habe sogar dabei geweint, weil ich ja nicht dabei gehen sollte und ich mit dem auch nicht so recht klar kam, was da stand. Aber meine Eltern hatten mir keine Vorhaltungen deshalb gemacht. Kann aber auch sein, dass sie es auch mit der Geburtsurkunde vergessen hatten. Das weiß ich heute nicht mehr so genau. Meine Mutter war zunächst sehr Erschrocken. Nun musste sie mir ja erst einmal erklären was das alles zu bedeuten hatte. Mein Vater kam erst eine Zeit später von der Arbeit. Sie versprach mir, es am Abend, wenn wir wieder zurück sind alles zu erklären. Damit war ich einverstanden.Wir mussten noch in die Stadt, schließlich war meine Lieblingspuppe kaputt und musste in die Puppenklinik zur Reparatur. Die Puppe hieß Gudrun, wie die verstorbene Tochter meiner Mutter. Diese habe ich gehütet wie meinen Augapfel. Die durfte nicht kaputt sein, dass ging nun mal gar nicht. Deshalb war dieses auch ganz fest eingeplant.Dann holten wir meinen Vater auch gleich von der Arbeit ab. Er hatte sich riesig gefreut, denn dass wir ihn abholen wusste er nicht. Den Grund mit Sicherheit auch nicht. Vor dem Abendbrot erklärte mir meine Mutter dann im Beisein von meinem Vater die Sache. Ich war erst einmal Sprachlos, wusste nicht, was ich von dem allen halten sollte? Bin gleich nach dem Abendessen in mein Zimmer gegangen habe gegrübelt und geweint, ich wollte doch keine Eltern, die mich nicht wollen. Warum, warum ich? Meine Eltern schauten öfter, aber ohne Kommentar, ins Zimmer. Haben mich erst einmal alleine gelassen. Waren aber jeder Zeit für anstehende Fragen da. Als ich mich dann etwas gefangen hatte erzählte meine Mutter etwas, was sie im Rahmen der Adoption erfahren hatte. Dieses wollte ich natürlich wissen. Sie erzählte mir dann die Gründe, welche sie vom Jugendamt erfahren hatten. Diese waren folgende: Asoziales Verhalten Alkoholabhängigkeit (dieser Punkt hat sich bei meinem Vater leider bestätigt, bei meiner Mutter bisher nicht.) Inhaftierung (politisch, wurde aber erst im Rahmen der Recherchen durch meine Schwester bekannt) Meinen damaligen Namen und die Namen meiner Eltern brauchte ich nicht zu erfragen, denn die standen auf der Geburtsurkunde drauf. Sie entsprach also der ehemaligen Abstammungsurkunde. Es war natürlich erst einmal ein Schock für mich. Ich stellte mir die Frage wie kann man nur so sein. Da ich ja nie Einzelkind sein wollte trat die Frage nach vorhandenen Geschwistern neu auf. Heute weiß ich nicht mehr so genau, ob meine Eltern damals nichts sagen wollten oder konnten. Irgendwie redeten sie immer um den heißen Brei. Das heißt sie gaben mir weder ein eindeutiges ja oder nein zur Antwort. Heute vermute ich, dass sie vielleicht wussten, dass es welche gibt, mehr aber auch nicht. Um nicht noch mehr Fragen diesbezüglich zu bekommen sind sie diesem Thema dann mehr oder weniger gerne aus dem Wege gegangen. Da die Ehe meiner Eltern weiterhin Kinderlos blieb, entschlossen sie sich zur Adoption eines Kindes. Das war ich dann. Ihre Erklärungen reichten mir damals aus und es lief das normale gute Familienleben weiter. Die Enttäuschung, dass meine Eltern in diesen Punkt nicht ganz offen waren habe ich recht schnell Überwunden. Ich hatte ja schließlich liebe Eltern und außerdem hatte ich volles Vertrauen zu ihnen aufgebaut. Heute weiß ich, dass man als Adoptiveltern von der Herkunft des Kindes sehr wenig erfährt. Aber wie soll man dann auf Fragen des Kindes antworten können? Es dient dem Schutz aller beteiligten des Adoptionsdreieckes, was ich in einer Hinsicht verstehe. In meinen Augen entspricht es aber nicht dem Recht auf Auskunft über die eigene Herkunft des Kindes. Mit der Variante einer halboffenen, Kontakt über das Jugendamt, Adoption könnte ich zum Beispiel leben. Ihre Heide

