Psychatrie nach Wikipedia
Die Psychiatrie ist die medizinische Fachdisziplin, die sich mit der Prävention, Diagnostik und Therapie seelischer Erkrankungen beschäftigt.
Begriff
Der Begriff „Psychiatrie“ wurde 1808 vom Arzt Johann Christian Reil in Halle geprägt (ursprünglich als „Psychiaterie“, wurde später zu „Psychiatrie“). Etymologisch aus griechisch „Psyche“ – „Seele“ und „iatrós“ – „Arzt“ zusammengesetzt, bedeutet „Psychiatrie“ wörtlich übersetzt etwa „Seelenheilkunde.“
Historische Entwicklung
Die Grundzüge der modernen Psychiatrie lassen sich auf wenige Konzepte zurückführen. Wilhelm Griesinger hatte Mitte des 19. Jahrhunderts mit der These, seelische Erkrankungen seien Erkrankungen des Gehirns, die wichtigste Grundlage der modernen Psychiatrie formuliert. Emil Kraepelin hat erstmals in der Geschichte der Psychiatrie ein brauchbares nosologisches Bezugssystem zur Verfügung gestellt. Karl Jaspers Arbeiten zur Allgemeinen Psychopathologie aus den 1920er Jahren sind grundlegend für die Methodik modernen psychopathologischen Denkens. Die Grundlage des Krankheitsbegriffes in der modernen Psychiatrie bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts ist das so genannte triadische System nach Kurt Schneider, das 1931 veröffentlicht wurde. Mit der Einführung des ICD-10 im Jahre 1992, einem weltweit standardisierten Klassifizierungssystem, wandelt sich das Krankheitsverständnis der Psychiatrie erneut.
In Deutschland wurden im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms mehr als 100.000 psychisch kranke Menschen getötet. Dies war nur mit Billigung zahlreicher Ärzte und Kliniken möglich. Diese Verbrechen wurden in den ersten Jahren der neugegründeten Bundesrepublik nicht aufgearbeitet.
Reform der Psychiatrie
Die Einführung der Neuroleptika und die Durchführung von Katamnesestudien in den 1950er Jahren, in Deutschland vor allem durch den Bonner Psychiater Gerd Huber, hat den lange bestehenden therapeutischen Nihilismus der Psychiater vor allem im Falle der Schizophrenie zu beenden geholfen. Mit der Psychiatriereform in den sechziger und siebziger Jahren und der Entwicklung der modernen Sozialpsychiatrie kommt es in den meisten westlichen Ländern zu einer weitgehenden Emanzipation der seelisch kranken Menschen von Bevormundungen durch Dritte.
Die moderne Psychiatrie gründet sich demzufolge im wesentlichen auf die Erkenntnisse der biologischen Psychiatrie und die Reformbemühungen der Sozialpsychiatrie. Psychotherapeutische Behandlungsmethoden stehen in der Psychiatrie heute nicht mehr so im Mittelpunkt wie noch vor einigen Jahrzehnten. Trotzdem lernen Psychiater psychotherapeutische Behandlungsverfahren, da die meisten psychiatrischen Patienten von stabilen therapeutischen Beziehungen profitieren.
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