Angst

Die Angst zählt zu den natürlichen menschlichen Grundgefühlen und wird sowohl medizinisch als auch philosphisch ähnlich betrachtet wie die Grundgefühle Freude, Scham, Trauer, Wut und Liebe und diesen gleich gestellt. Dabei erfüllt die Angst unter anderem auch ein paar rein praktische Aspekte des Lebens und Überlebens, ihr Vorhandensein hat also grundsätzlich einen nachvollziehbaren Sinn und Zweck. Es gilt also als natürlich und wichtig, Angst zu kennen und Angst zu empfinden. Das Ausmaß von Angst kann jedoch variieren, und hierin unterscheidet sich letztlich auch die positive Angst von der negativen Angst, ebenso wie in der Dauer des anhaltenden Gefühls oder Zustands. Die Angst hat viele unterschiedliche Formen und Gesichter und drückt sich häufig, aber nicht immer durch körperliche Reaktionen aus.

Körperliche Reaktionen auf das Gefühl Angst

Auch bei den körperlichen Reaktionen auf Angst handelt es sich um gängige psychische und physische Reaktionen, also nicht um krankhafte Auswirkungen. Das Gefühl Angst alarmiert die Wahrnehmungsfähigkeit und somit die Aufmerksamkeit des Menschen. Zu sehen sind erweiterte Pupillen, die das Sehvermögen schärfen. Ebenso wird das Hörvermögen automatisch geschärft. Zu beobachten sind eine angespannte Muskulatur und eine schnellere Reaktion auf bestimmte Reize. Herzfrequenz, Atmung und Blutdruck können erhöht sein, was der Betroffene selbst wahrnehmen kann. Zu den sichtbaren körperlichen Reaktionen zählen Schwitzen und Zittern, die Tätigkeit des Verdauungsapparats wird jedoch in Angstzuständen eingeschränkt. Bei starken Angstzuständen können Atemnot und Übelkeit auftreten. Körperliche Reaktionen auf Angst sind in ihrer Ausprägung stark individuell. Hinzu kommen Signale der Angst über Mimik und Gestik. Sie appellieren bewusst oder unbewusst an das Sozialverhalten anderer Menschen, die dadurch um Hilfe gebeten werden. Ist der Angstzustand vorüber, verschwinden die körperlichen Reaktionen meist innerhalb kurzer Zeit.

Verschiedene Formen der Angst sind bekannt. Allerdings lassen diese sich nicht immer klar voneinander trennen, sondern treten häufig auch miteinander in Wechselwirkung oder bedingen sich gegenseitig. Typische Formen der Angst sind:

Die Reale Angst

Die reale Angst ist eine Form der Angst, die durch eine greifbare äußere Bedrohung hervorgerufen wird. Sie wird auch als rationale Angst bezeichnet. Steht der Mensch beim Waldspaziergang zum Beispiel plötzlich einem tollwütigen Hund gegenüber, so entwickelt er eine reale Angst. Diese Angst kann durchaus positiv bewertet werden, denn sie lässt ihn die Flucht oder mögliche Gegenmaßnahmen ergreifen und dient deshalb dazu, sein Leben zu schützen. Auch in anderen Gefahrensituationen stellt sich die reale Angst ein. Mögliche Reaktionen auf diese Angstform sind neben der Flucht auch die Wut, die Panik oder die Aggression, die zum Beispiel zu einem Gegenangriff führt. Eine Unterform der realen Angst ist die so genannte Vitalangst die dann auftritt, wenn der Betroffene eine lebensbedrohliche Erkrankung spürt, zum Beispiel einen Luftmangel bei einem Asthmaanfall oder die Auswirkungen eines Herzanfalls. Wie stark die reale Angst jeweils auftritt, ist von der individuellen psychischen Verfassung des Betroffenen abhängig.

Die Existenzangst

Der Ursprung der Existenzangst wurzelt tief in der menschlichen Entwicklung und zählt zu den allgemeinen Erfahrungen der Gattung Mensch. In der heute üblichen Terminologie kennen wir die Existenzangst als bedrückendes Gefühl zum Beispiel bei drohendem Verlust des Arbeitsplatzes oder auch bei Verlust der Partnerschaft oder Ehe. Die Existenzangst ist dabei immer eng an das Thema "Verlust" gekoppelt, also eine Verlustangst. Je nach Stabilität des Individuums kann die Existenzangst nur von kurzer Dauer sein und zum Ergreifen von Gegenmaßnahmen führen, oder aber den Menschen komplett lähmen.

Die Prüfungsangst

Die meisten Menschen kennen eine mehr oder weniger starke Form von Prüfungsangst. Dabei handelt es sich einerseits um Angst vor der eigentlichen Prüfungssituation als auch um die Angst, die Prüfung nicht zu bestehen. Wird die Prüfungsangst zu stark, so kann sie sogar einen guten Schüler oder Prüfling derart beeinflussen, dass die Prüfung schlechter abgelegt wird als möglich. In einem normalen Maß führt die Prüfungsangst jedoch zu einer erhöhten Konzentration und kann kurzfristig das Potenzial des Prüflings bündeln, sich also durchaus positiv auswirken.

Die Flugangst

Sehr viele Menschen kennen die Flugangst, die im wesentlichen aus dem Gefühl des drohenden Kontrollverlusts entsteht. Die Flugangst ist bei einigen Menschen so stark, dass sie keine Flugreisen mehr buchen oder antreten können. Bei anderen Passagieren ist die Flugangst eher unterschwellig. Typischerweise tritt sie beim Start des Flugzeugs massiv auf, verliert sich dann aber während eines ruhigen Fluges. Bei Turbulenzen und unübersichtlichen Situationen kann sie wieder auftreten.

Irrationale Ängste und Phobien

Zu den bekanntesten Phobien zählt die Spinnen- oder Mäusephobie. Hier entwickelt der Betroffene Ängste vor einem Objekt, das sachlich betrachtet die Angst keineswegs rechtfertigt. Jedoch empfindet der Betroffene Angst beim Anblick eines Auslösers, und diese Angst ist durchaus aufrichtig und ehrlich. So haben auch viele Menschen, die sehr gut schwimmen können, Angst vor dem Wasser, selbst wenn sie in einem übersichtlichen und flachen Schwimmbecken schwimmen. Bei extremer Ausprägung beginnt diese Angst bereits in der Badewanne.

Die Platzangst und die Einschlussangst

Im Volksmund werden diese beiden Angstformen häufig verwechselt. So wird davon gesprochen, dass beispielsweise in einem engen, sich schnell auf- oder abwärts bewegenden Aufzug die Platzangst entsteht. Dabei handelt es sich bei dieser Form der Angst um die so genannte Einschlussangst, die Klaustrophobie. Die tatsächliche Platzangste, die Agoraphobie, entsteht dabei auf tatsächlich großen Plätzen wie zum Beispiel Parkplätzen oder in riesigen Einkaufszentren. Auch in der Wüste oder in einsamen Gegenden kann die Platzangst auftreten.

Die Panikattacke

Den meisten Menschen eher unbekannt ist eine starke Form der unmittelbar auftretenden Angst, die sich als Panikattacke äußert. Panikattacken haben oftmals einen eher harmlosen Grund, der jedoch vom Betroffenen als tatsächliche Bedrohung emfpunden wird und starke Angstgefühle auslöst. Panikattacken können jedoch auch durch eine reale Bedrohung ausgelöst werden. In den meisten Fällen sind Panikattacken die Begleiterscheinungen von anderen psychischen Krankheitsbildern und sollten in deren Rahmen behandelt werden. Allerdings sind auch Panikattacken bekannt, die keine krankhaften Ursachen haben.

Die positiven Effekte der Angst

Die Angst hat viele Gesichter und viele Folgen. Durchaus positiv an der Angst kann bewertet werden, dass sie das Wahrnehmungs- und Reaktionsvermögen schärft und beschleunigt. Das körpereigene Warnsystem signalisiert Gefahr, und die Angst trägt dazu bei, dass der Betroffene sich aus der Gefahrenzone bewegt oder sich erst gar nicht in Gefahr bringt. So verhindert die Angst vor Feuer beispielsweise, dass man sich zu sehr nähert und sich verbrennt. Im Extremfall sichert die Angst also das eigene Überleben. Ist Angst auf einen überschaubaren Zeitraum begrenzt, so dominiert sie nicht die gesamte Persönlichkeit und kann als "normal" und gesund eingestuft werden. Das prinzipielle Fehlen von Angst dagegen gilt als ungesund.

Negative Ängste: Die Angststörung

Wird die Angst so groß, dass sie das Leben bestimmt, und das Individuum an der Teilnahme am öffentlichen und privaten Leben hindert, so spricht man von einer Angststörung. Die Angststörung wirkt sich so stark negativ auf das Befinden des Betroffenen aus, dass es ihm nicht mehr möglich ist, seinen Verpflichtungen in der Gesellschaft nachzukommen. Er kann häufig seinen Beruf nicht mehr ausüben und keine sozialen Kontakte mehr pflegen. Eine Angststörung ist häufig schwer zu diagnostizieren, da die Betroffenen viele Mechanismen entwickeln, um sich und ihr Problem nach außen zu tarnen. Ist eine Angststörung jedoch aufgetreten, so sollte der Betroffene sich professionelle Hilfe suchen.
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