Psycho

Der Begriff "Psycho" ist nicht sonderlich trennscharf gewählt, sondern bezeichnet eine Mehrzahl zum Teil höchst unterschiedlicher Erscheinungen. Als Synonym zu Psycho gilt einerseits die Seele und andererseits das wissenschaftliche Fach der Psychologie. Gleichsam wird jedenfalls im umgangssprachlichen Bereich auch derjenige Mensch als "Psycho" etikettiert, der unter dem Krankheitsbild der Psychopathie leidet. In den folgenden Zeilen soll der Versuch unternommen werden, die einzelnen Phänomene etwas genauer zu beleuchten und so eine Differenzierung zu ermöglichen.

Seele

Um das Wort der Seele ranken sich viele Vorstellungen, die je nach Person und individueller Prägung gleichsam relativ divergieren können. So gibt es zum Beispiel einen religiösen Blickwinkel auf die Seele, der sich von demjenigen der Psychologie erheblich unterscheidet. Nicht selten fungiert "Seele" auch als Sammelbegriff für alle inneren Regungen eines Menschen in ihrer Bündelung. Somit wäre Seele nicht mehr und nicht weniger als die Summe aller Emotionen und Gedanken eines Menschen.

 

Manche religiösen und philosophischen Konzepte gehen indes von einer weit größeren Bedeutung der menschlichen Seele aus. Hiernach überdauert die Seele viele Geburten eines Menschen und tritt von Reinkarnation zu Reinkarnation jeweils in einem neuen Körper auf. Die physische Existenz eines Menschen sei demnach eher ein bloßes Beiwerk für die Seele, mitunter wird darüber hinausgehend sogar angenommen, dass es das Ziel der Seele sei, die Überwindung des Körperlichen zu erreichen. Andere Schulen betonen hingegen, dass Seele und Körper als Einheit verkoppelt sind und nicht in einem Verhältnis stark abfallender Wertigkeiten zueinander stünden.

Psychologie

Wer sich als Student der Psychologie für "Psycho" eingeschrieben hat oder als angehender Mediziner zumindest den ein oder anderen entsprechenden Kurs besucht, hat sich für das Erlernen einer empirischen Wissenschaft entscheiden. Dies bedeutet, dass Psychologie im Wesentlichen nicht etwa auf der Analyse von Tintenflecken oder ähnlichem basiert, sondern primär durch ein System von Beobachten und Auswerten geprägt ist. Demnach wird eine bestimmte Theorie formuliert und sodann, meist durch Versuche mit Probanden oder auch mit Tieren, die Tragfähigkeit jener These anhand messbarer Realitäten und Verhaltensweisen der Testteilnehmer ermittelt. Da sich innere Vorgänge nicht unbedingt passgenau kategorisieren lassen, arbeiten die Wissenschaft der Psychologie insoweit vor allem mit Rückschlüssen von der sichtbaren Verhaltensebene auf die innere Konstitution des Menschen.

Semantisch bedeutet "Psychologie" so viel wie "Lehre von der Seele" oder "Seelenkunde", da das Wort "psyché" im Altgriechischen mit "Seele", wie jedoch auch mit "Gemüt" oder gar "Hauch" gleichzusetzen ist. Anknüpfend an das letztgenannte Synonym wurde Psychologie vormals auch als "Atemkunde" bezeichnet, wodurch sich womöglich erklärt, weshalb viele psychotherapeutische Ansätze nicht zuletzt auf eine Kontrolle und Beruhigung des Atems abzielen. Ruhig und gleichmäßig zu atmen, wird zum Beispiel bei einer Hypnosetherapie als unverzichtbare Voraussetzung betrachtet. Im englischsprachigen Raum dagegen wird anstelle von "Psyche" oft das Wort "mind" verwendet, sofern von der Wissenschaft der Psychologie die Rede ist.

Psychopath

In mehrfacher Hinsicht das problematischste Synonym von "Psycho" ist dasjenige des "Psychopathen". Dies liegt nicht zuletzt daran, dass jener Begriff relativ diskriminierend konstruiert ist und beispielsweise in der Geschichte das Faschismus gezielt dafür benutzt wurde, unerwünschte, womöglich gar "lebensunwerte" Menschen entsprechend zu etikettieren und in der Folge zu töten oder jedenfalls der Freiheit gänzlich zu berauben. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird noch heute häufig der Begriff "Psychopath" mit Straftätern assoziiert, obwohl das Betroffensein von Pychopathie keineswegs in einem kriminellen Verhalten Ausdruck finden muss.

Die Psychopathie ist mangels konkreter Fassbarkeit und Definierbarkeit nicht in den beiden international gängigen Diagnoseschlüsseln ICD 10 und DSM-IV aufgenommen worden. Dies sollte im Hinterkopf behalten werden, bevor eine Person leichtfertig mit dem Stempel des Psychopathen versehen wird. Namentlich in der Gerichtspsychiatrie wird als Psychopath bezeichnet, wer unter einer antisozialen oder dissozialen Persönlichkeitsstörung leidet. Geprägt sind solche Personen von einem nicht moralisch abgebremsten Egoismus.

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