Sucht

Der Begriff Sucht ist heute sehr weit erbreitet. Im medizinisch- psychologischen Bereich wurde er für nicht- substanzgebundene Abhängigkeit in Impulskontrollstörung, Verhaltenssucht und Zwangsstörung untergliedert.

Impulskontrollstörung

Die Impulskontrollstörung bezeichnet einen Verhaltensablauf, bei dem ein Anspannungszustand, der als unangenehm empfunden wurde, durch ein impulsives Verhalten aufgelöst wird. Dieses Verhalten entwickelt sich bei dem Patienten zu einem Drang. Meist ist es nur sehr schwer oder gar nicht möglich es selbst zu kontrollieren. Impulsstörungen können in vielen Lebensbereichen auftreten: Spielen, Essen, Nägelkauen, Kaufen, Selbstverletzungen oder übermäßige Masturbation.

Verhaltenssucht

Beispiele für die Verhaltenssucht sind Sportsucht, Kaufsucht, Sexsucht, Medienabhängigkeiten und teilweise auch Essstörungen. Bei dieser Suchtart handelt es sich um exzessives Verhalten, das vom Betroffenen nicht mehr beeinflusst werden kann.

Zwangsstörung

Die dritte Form der nicht- substanzgebundenen Abhängigkeiten ist die Zwangsstörung. Die Betroffenen verspüren einen inneren Drang bestimmte Dinge zu tun oder zu denken. Die Patienten wehren sich gegen diese Zwänge, da sie sie als sinnlos empfinden. Das bringt große Einschränkungen im alltäglichen Leben mit sich.

Substanzgebundene Abhängigkeit

Für substanzgebundene Abhängigkeit wurde der Begriff Sucht durch das Abhängigkeitssyndrom ersetzt. Diese Störung entsteht durch die wiederholte Einnahme psychotroper Substanzen. Man hat ein unzähmbares Verlangen danach sich diese Substanz immer und immer wieder zuzuführen.

Sucht Definition

Das Wort „Sucht“ geht auf das Verb siechen zurück, das das Leiden an einer Krankheit beschreibt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde nur der Alkoholismus, die Trunksucht, unter den Suchtbegriff gezählt. Heute werden zahlreiche andere Abhängigkeiten dazugezählt. Der Begriff Sucht existiert laut der WHO (Weltgesundheitsorganisation) von 1957 bis 1963. Er wurde danach anfangs durch Abhängigkeit und Missbrauch ersetzt. Seit 1969 gibt es vier Klassen des Gebrauchs. Das wären zum einen der unerlaubte Gebrauch, der von der Gesellschaft nicht toleriert wird, der gefährliche Gebrauch, der für den Konsumenten schädliche Folgen hat und zum anderen der dysfunktionale Gebrauch, der entsteht wenn man gewissen Anforderungen nicht mehr gerecht werden kann und der schädliche Gebrauch, der bereits schädliche Folgen heraufbeschworen hat.
Man vermeidet bewusst den Begriff Sucht, um zu verdeutlichen, dass es sich um eine Krankheit handelt.
Wenn man Sucht betrachtet, muss man folgende vier Faktoren einbeziehen: den Mensch, das Mittel, das Milieu und den Markt. Beim Menschen achtet man auf das frühkindliche Milieu, seine Persönlichkeit, mögliche Erblichkeit, seine sexuelle Entwicklung, die Erwartungshaltung und die aktuelle Stresssituation. Beim Mittel selbst geht es um die Dosis, die Art der Einnahme, die Gewöhnung, die Dauer und die individuelle Reaktion. Unter dem Gesichtspunkt Milieu beschäftigt man sich mit der familiären Situation, der Wirtschaftslage, dem Beruf und der Religion. Beim Markt beachtet man die Einstellung zu der Droge, die Verfügbarkeit, die Konsumgewohnheiten und die Einflüsse von Werbung und Medien.

 Psychosoziale Definition

Nach psychosozialer Definition kann jedes Verhalten zu einer Sucht ausarten, wenn dafür soviel Zeit aufgewendet wird, dass die weitere psychosoziale Entwicklung darunter leidet. Dieses Verhalten wird zwanghaft und gewinnt für den Betroffenen immer mehr an Bedeutung. Das soziale Leben gerät völlig in den Hintergrund. Sollte der Betroffene seine Sucht nicht befriedigen können, kommt es zu Entzugserscheinungen. Der Süchtige versucht sic und sein Verhalten zu rechtfertigen.

Was ist Sucht - wie entsteht sie?

Sucht ist ein prozesshafter Vorgang. Von einem harmlosen, schleichenden Anfang kann sie bis hin zum Tod führen. Während dieses Vorgangs verliert man seine Persönlichkeit, soziale Beziehungen, die individuelle Lebensplanung wird über Bord geworfen und die eigene Gesundheit wird unwichtig.
Es gibt viele unterschiedliche Ursachen warum ein Mensch süchtig werden kann. Dabei spielen viele Faktoren ineinander und verstärken sich. So etwas wie eine „Suchtpersönlichkeit“ gibt es allerdings nicht, sondern nur Risikofaktoren, die eine Sucht begünstigen. Eine zentrale Rolle bei der Entstehung einer Sucht nimmt das Belohnungszentrum in Gehirn in Zusammenarbeit mit Dopamin ein. Wenn man eine süchtigmachende Substanz einnimmt, wird das entstehende Wohlbefinden vom Belohnungszentrum registriert.
Serotonin als weiterer Botenstoff beeinflusst die Stimmungslage, die Körpertemperatur, die Schmerzwahrnehmung und den Schlaf- Wach- Rhythmus. Wenig Serotonin fördert eine Suchtenwicklung. So bekommen zum Beispiel LSD- Abhängige kaum noch Schlaf, da das LSD den Serotonin Speicher leert und dessen Wirksamkeit hemmt.

Sucht und die Folgen

Des Weiteren ist unser Körper darauf programmiert schädigende Substanzen schnellstmöglich zu neutralisieren. Das heißt aber auch, dass er innerhalb einer gewissen Zeitspanne immer besser mit der gleichen Menge einer Droge fertig wird, was zu einer Toleranz gegenüber dieser Substanz führt. Das heißt für den Betroffenen, dass er immer größere Mengen zu sich nehmen muss, um die gleiche Wirkung erzielen zu können.
Ob und wie Suchtverhalten erblich ist, muss erst noch genaustens erforscht werden. Fest steht allerdings jetzt schon, dass die Möglichkeit an Nikotinsucht zu leiden zu 50 Prozent erblich bedingt ist. Dies bewiesen Zwillingsstudien. Allerdings kann nicht von einem „Rauchergen“ die Rede sein, da mehrere Gene zusammenwirken. Weiterhin konnte bereits bewiesen werden, dass Kinder von alkoholabhängigen Eltern häufig selbst alkoholabhängig werden. So wurde zum Beispiel bei adoptierten Söhnen eine Untersuchung durchgeführt. Söhne von alkoholabhängigen Eltern, die von Nichtalkoholikern adoptiert wurden, wurden zu 40 bis 50 Prozent selbst alkoholabhängig. Anders herum wurden Söhne von Nichtalkoholikern, die ebenfalls von Nichtalkoholikern adoptiert wurden, nur zu etwa 10 Prozent selbst Alkoholiker.
Menschen, die aus genetischen Gründen weniger Botenstoffe produzieren, neigen eher zu Suchtanfälligkeit.

Das Soziale Umfeld als Suchtfaktor

Außerdem ist das soziale Umfeld natürlich ein wichtiger Punkt, wenn es um Anfälligkeit gegenüber süchtigmachenden Substanzen geht. Leben Eltern oder Freunde den Drogenkonsum vor oder tolerieren ihn als Problemlösung, sind Jugendliche in solch einem Umfeld besonders gefährdet.
Bestimmte Charaktereigenschaften fördern ebenso eine Sucht, wie zum Beispiel mangelnde Beziehungsfähigkeit, geringes Selbstvertrauen und eine geringe Frustrationstoleranz.
Drogen sind Teil vieler Kulturen und die heutige Gesellschaft fördert das Suchtverhalten regelrecht. Alkohol auf Feiern und Festen gehört genauso dazu wie literweise Kaffee im Büro. Viele Süchte, die nicht stoffgebunden sind, werden ebenfalls akzeptiert oder sogar noch angesehen wie zum Beispiel exzessiver Sport, einkaufen und arbeiten.
Auch illegale Drogen haben die Hemmschwelle bei vielen Jugendlichen längst überschritten. Sie gelten als Zeichen des Erwachsenwerdens oder als Loslösung von den Eltern.

Die Suchtmittel

Unter die Suchtmittel zählt man all die Substanzen, die in den natürlichen Kreislauf des Körpers eindringen und Wahrnehmungen, Gefühle und Stimmungen beeinflussen. Einige dieser Suchtmittel sind im Besitz, Gebrauch und Verkauf verboten.
Wie stark das Suchtmittel Einfluss auf den Konsumenten hat, ist abhängig von dessen physischer und psychischer Verfassung, der Wirkungsintensität, Einnahmeart und –menge des Stoffes.
Es kommt bei wiederholter Einnahme nicht nur zu einer körperlichen Abhängigkeit, sondern zu einem regelrecht psychischen Verlangen nach dem Suchtmittel.

Beispiele der Sucht

Tabak ist neben Alkohol ein sehr bekanntes Suchtmittel. Es verursacht schnell eine psychische und körperliche Abhängigkeit. Irgendwann erreicht der Konsument eine gewisse Toleranz gegenüber der Substanz und der Tabakkonsum wird immer weiter gesteigert. Wenn die Nikotinzufuhr abgebrochen wird, kann es dann zu Entzugserscheinungen wie Schlafstörungen, Gereiztheit, Angst oder Nervosität kommen.
Auch Schlaf- und Beruhigungsmittel zählen zu den Suchtmitteln. Hier kann sich schon innerhalb einer kurzen Zeitspane eine seelische Abhängigkeit einstellen. Sollte man die Schlaf- und Beruhigungsmittel absetzen, kommt es zu Angst, Unruhe, Gereiztheit und Kopfschmerz. Diese Beschwerden verschwinden bei erneuter Einnahme wieder.
Ein weiteres Suchtmittel sind Schmerzmittel. Der gelegentliche Einsatz dieser Medikamente ist unbedenklich. Erst bei ständigem Gebrauch wird es für den Konsumenten gefährlich. Auch hier entsteht dann eine psychische Abhängigkeit. Die starken Kopfschmerzen, die bei einem Entzug auftreten, verleiten sehr schnell wieder dazu die sucht fortzusetzen.
Die wohl bekannteste Art der Sucht ist die Trunksucht. Hier liegen die Übergänge zwischen riskantem Konsum, schädlichem Gebrauch und Abhängigkeit sehr nah beieinander. Der Übergang von einem Muster ins andere ist fließend. Von einem riskanten Alkoholkonsum spricht man, wenn Frauen täglich mehr als 20 Gramm und Männer 30 bis 40 Gramm Alkohol konsumieren. Etwa 21, 5 Prozent der Männer und 10,9 Prozent aller deutschen Frauen sind von riskantem Alkoholkonsum betroffen.
Ein schädlicher Gebrauch liegt vor, wenn die Tagesdosis von 40 Gramm Alkohol bei Frauen und 60 Gramm bei Männern überschritten wird. Alkoholmissbrauch weisen circa 2,4 Millionen Menschen zwischen 18 und 59 Jahren in Deutschland auf.
Eine Abhängigkeit lässt sich feststellen, indem man erforscht ob während des letzten Jahres drei oder mehr von sechs Kriterien zutreffend waren. Dazu zählen der Zwang beziehungsweise Wunsch nach Alkohol, die verminderte Kontrollfähigkeit in Abhängigkeit vom Konsum, körperliche Entzugserscheinungen, zunehmend höhere Dosen, also Nachweis einer Toleranz, fortschreitende Vernachlässigung des sozialen Lebens und anhaltender Substanzkonsum. Etwa 1,8 Millionen Deutsche im Alter von 18 bis 59 sind alkoholabhängig.

Schlusswort

Drogen und Süchte sind keine Modeerscheinung. Im alten Indien etwa durften heilige Texte nur gelesen werden, wenn zuvor störende alltägliche Gedanken mit der Einnahme von Cannabis verdrängt wurden. Und schon Homer schrieb in seiner „Odyssee“ von der beruhigenden Wirkung von Opium.

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